Hannes Böck – New Hefei (2008)

Quote:
New Hefei was done in the winter of 2007/2008 during a stay in China for several months through a series of photographs and prepared in the spring of 2008 in the provincial capital Hefei in black and white on 16mm shot. Hefei has an extreme economy growth rate and is one of the fastest-growing mega cities of the new China.
The conglomerates from private and state-dominated industry dominated the economic growth and repeated this in the Chinese provincial city. Currently the process of urban transformation has been completed here, as in other urban centers in China. The presentation of new urban areas is an important issue in contemporary Taiwanese and Chinese films.

Basically the whole thing was inspired by Antonionis “La Notte” and “L’eclisse”. So if you know these films, you’ll find something here.

Hannes Böck, New Hefei (2008)

New Hefei wurde im Winter 2007/2008 während eines mehrmonatigen Aufenthalts in China durch eine Serie von Fotografien vorbereitet und im Frühjahr 2008 in der Provinzhauptstadt Hefei in Schwarz-Weiß auf 16mm gedreht. Hefei gehört mit zweistelligen Expansionsraten zu den raschest wachsenden Millionenstädten des neuen China. Die von Mischkonzernen aus privater und staatlicher Hand geprägte Industrie dominiert das Wirtschaftswachstum und so wiederholt sich in dieser im chinesischen Hinterland gelegenen Stadt aktuell der Prozess einer städtebaulichen Umwandlung, wie sie sich in anderen urbanen Zentren Chinas bereits vollzogen hat. Die Darstellung neuer Stadträume ist ein wichtiges Thema im aktuellen taiwanesischen und chinesischen Film, wobei New Hefei Tsai Ming Liangs von der Nouvelle Vague inspirierten Spielfilm Ai quing wan sui (Vive l’amour, 1994) und Jia Zhang Kes Sanxia Kaoren (Still Life) von 2006 aufgreift, dessen Geschichten zentral mit den Spuren des chinesischen Wirtschaftswachstums verknüpft sind. In New Hefei gelangt zudem ein filmästhetischer und erzählerischer Kanon zur Anwendung, der seine bekannteste Ausprägung im italienischen Neorealismus und der nachfolgenden Umprägung durch Michelangelo Antonioni erfahren hat. Die einsame Stadterkundung des Protagonisten nimmt direkte Anleihen bei Antonionis 1961 gedrehten Film La Notte, in dem Jeanne Moreau einen Spaziergang in der Peripherie Mailands unternimmt, ebenso wie bei der mehrminütigen Schlusssequenz von L’Eclisse (1962), in der die von den HauptdarstellerInnen längst verlassenen Straßenzüge des E.U.R.-Viertels in Rom selbst zu stummen Protagonisten des Modernismus werden. New Hefei beginnt mit einer von Verkehrs- und Gesprächslärm durchfluteten Strassenszene im Stadtzentrum. Die Kamera löst unter den PassantInnen die Figur eines jungen Mannes heraus, um dessen Schritte in die eben entstehenden Projektlandschaften des chinesischen Städtebaus zu begleiten. Die weichen Schwarz-Weiß-Kontraste, die von der Kamera inszenierte Interaktion zwischen Akteur und Umraum, die Montage und die so entstandene Bildchoreographie mit langsamen Schwenks und Kamerafahrten, die von Großaufnahmen durchbrochen sind und nicht zuletzt die gezeigten Stadtlandschaften selbst verweisen auf die Darstellung des italienischen Wirtschaftsaufschwungs („il Boom“) bei Antonioni. Der Austausch von italienischen und chinesischen Stadträumen erzeugt dabei keinen Bruch, sondern lässt die Parallelen zwischen zwei historisch und geografisch getrennten Modernisierungen erkennen. Der reflexive, inszenierte Realismus Antonionis, der die Präsenz der Kamera immer wieder im Zögern der Narrative hervortreten ließ, führte zu einer von Pasolini als Abstraktion empfundenen (und durchaus mit Argwohn betrachteten), von Roland Barthes hingegen gefeierten „Kunst der Zwischenräume“. Wenn etwa die Kamera sich erst mit etwasVerspätung mit der Figur in Bewegung setzt, um diese dann wieder zu verlieren, die Einstellungen andauern obwohl die Darsteller die Szenen schon längst verlassen haben, wechselt der Raum vom Hintergrund zum Protagonisten, von der Matrix der Narrative zum Subjekt der Handlung. Dadurch wird die Hauptfigur in New Hefei in einen von Michel Butor schon 1961 anhand von La Notte beschriebenen Spannungsmoment versetzt, deren „Abstraktion“ dann auch als ein Prozess der Historisierung lesbar wird. Der Blick der Kamera fungiert ähnlich des Angelus Novus, Walter Benjamins Engels der Geschichte, „als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt.“ In dem einer solchen Ästhetik inhärenten Anachronismus, der aus dem aktuellen Geschehen heraus ein Zusammentreffen mit geschichtlichen Momenten sucht, lässt sich ein veränderter Blick auf die Gegenwart Chinas und des asiatischen Films werfen. Die Wahrnehmung zeigenössischen Umbruchs trifft auf auf eine verwandte europäische Erfahrung in einer bereits vollzogenen und im Film aufgezeichneten Modernisierung und wird so als in Moment der Aktualität und der Wiederholung zugleich fassbar.


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Language(s):no dialogue
Subtitles:none

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